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Gesund und schmackhaft - präventiv oder heilend. Die chinesische Ernährungslehre für Tiere.

Die chinesische Ernährungslehre befasst sich nicht nur mit den Nahrungsmitteln selbst. Auch wie sie zubereitet werden ist von Bedeutung.

Sie ist neben der Kräuterheilkunde, Akupunktur, Qi-Gong und Tuina-Massage eine der Säulen der TCM. Sie basiert auf den Jahrtausende alten Wissen der chinesischen Medizin

In der TCM ist die Nahrung - neben der Atmung - die wichtigste nachgeburtliche Quelle der Energie eines Lebewesens. Eine zentrale Bedeutung für die Energiegewinnunug des Körpers hat die Milz. Sie gewinnt aus der Nahrung das Nahrungs-Qi. Etwas 70% des regenerierbaren Qi wird aus der Nahrung gewonnen. Die chinesische Vorstellung der Funktion von Milz und Magen, die zusammen den mittleren Erwärmer bilden, ist ein energetisches Gefüge.

Beide sind eng miteinander verbunden und entsprechen bildlich gesehen etwa einem Kochtopf. Die Nahrung kann in diesem Topf gären und kochen und es findet eine Transformation statt. Weiter werden in diesem Funktionskreis die "klaren" von den "trüben" Säften getrennt. D.h., die klaren Säfte werden nach "oben" an den Lungenfunktionskreis weitergeleitet und dienen der Befeuchtung des Lungenfunktionskreises, der gegenüber Trockenheit sehr anfällig. ist. Die trüben Säfte werden an den Dünndarm-Funktionskreis weitergeleitet, wo sie weiter aufgetrennt werden, wieder in klare Säfte, die über die Blase ausgeschieden werden, und trübe Säfte, die an den Dickdarm-Funktionskreis weitergeleitet werden. Auch dort findet nochmals eine Auftrennung in klare und trüben Säfte statt, die trüben Säfte werden dann als Stuhlgang ausgeschieden.

Dieser Kochtopf braucht aber auch Energie, um seine Verdauungsfunktion aufrecht zu erhalten, ein sogenanntes "Verdauungsfeuer". Dieses erhält er vor allem aus der Niere. Die Milz und der Magen können Ihre Aufgabe nicht erfüllen, wenn die Niere schwach ist und somit nicht genügend Energie zur Verfügung stellen kann, um das Verdauungsfeuer aufrecht zu erhalten. Diese Yang-Energie, die auch gerne Nierenfeuer genannt wird, unterhält mit das Verdauungsfeuer, und umgekehrt muß das Verdauungsfeuer das Nieren-Yang wärmen.

Ist die Milz selbst zu schwach, treten Symptome auf wie Völlegefühl, Brechreiz, Blähungen, Durchfall, klebrige Müdigkeit, Kopfschmerzen im Sinne eines nicht direkt lokalisierbaren Druckes, Gewichtszunahme, Schwellungen an Gelenken bzw. des Bindegewebes, Schleimproduktion aus der Nase, den Bronchien, dem Darm, den Genitalorganen. Die Zunge wird weich und gedunsen sein, am Rand können sich Zahneindrücke finden, sie wird blaß sein. Der Belag wird dünn weiß sein, bei langer Anstauung von Schleim kann er aber auch dick gelb und schlüpfrig sein.

Deshalb sind die wichtigsten Elemente der Ernährungstherapie, die Pflege der Mitte (Milz/Pankreas) und der Niere (Verdauungsfeuer).

Insgesamt ist der Stellenwert der Nahrungsaufnahme in der TCM vielschichtiger als in der Schulmedizin. Die gesunde Ernährung nach der TCM spiegelt die Verbundenheit mit den Jahreszeiten, dem Klima und der Natur wider. Denn alles, sowohl der Körper, wie auch die Natur, unterliegen einem Wandel und das Nahrungsangebot passt sich diesem Wandel an. Durch jede Jahreszeit wird eine andere Umwelt geschaffen und das Nahrungsangebot verändert sich.

Die Vorstellung von Gesundheit im Sinne der TCM, ist eine andere als im westlichen Denken. Hier ist ein Organismus gesund, wenn genügend Qi (Energie) in einem harmonischen Fluss vorhanden ist. Disharmonien, Beschwerden oder Pathologien entstehen somit aus einem Ungleichgewicht von Qi.

Eine der häufigsten Fragen ist, ob dieser Erfahrungsschatz auf unsere Lebensweise und Tiere zu übertragen ist bzw übertragen werden kann?

Die Einteilung von Nahrungsmitteln

In der TCM spielen stoffliche Bestandteile keine Rolle.

Hier werden Nahrungsmittel nach anderen Kriterien eingeteilt

nach einem bestimmten Element Holz - Feuer - Erde - Metall - Wasser
nach einem bestimmten Geschmack süß - sauer - bitter - scharf - salzig

nach einer bestimmten thermischen

Eigenschaft

kalt - erfrischend - neutral - wärmend - heiß

nach einer bestimmten Wirkrichtung oben - unten - aussen - innen
nach einem Bezug zum Funktionskreis

Milz/Magen - Lunge/Dickdarm - Niere/Blase -

Leber/Gallenblase - Herz/Dünndarm

Die Erfahrung hat gezeigt, dass besonders bei Hunden und Katzen die Diätetik nach TCM sehr erfolgreich zum Einsatz kommen kann. Bei Pferden sind die Einsatzmöglichkeiten eher beschränkt und schwerer durchzuführen, dennoch in gewissem Maße möglich.

Auch westliche Nahrungsmittel sind in die 5-Elemente-Lehre der TCM einzuordnen und besitzen bestimmte geschmackliche, thermische und energetische Eigenschaften (siehe Kasten rechts)

Die ist nicht erst der Fall seit die TCM in der westlichen Welt bekannt wurde. Bereits Hildegard von Bingen wusste um die Wirkung der Lebensmittel als Heilmittel und deren energetischen Qualitäten. Dieses Wissen ist jedoch in der westlichen Welt wieder in Vergessenheit geraten.

Ziel einer Ernährung nach TCM ist, das körperliche und seelische Gleichgewicht eines Lebewesens zu erhalten (also präventiv) bzw. wieder in ein Gleichgewicht zu bringen (also kurativ). Es wird daher in der TCM nach den Kategorien Präventiv- und Heildiätetik unterschieden. Erstere richtet sich an das gesunde Lebewesen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung seiner individuellen Konstitution und Lebensumstände. Letztere ist eine Therapiemethode und wird auf das individuelle Disharmoniemuster abgestimmt.

Wir in der westlichen Welt sind es gewohnt, Nahrungsmittel, nach Vitaminen, Fetten, Zuckergehalt, Kohlehydraten, Mineralstoffen oder Eiweißen einzuteilen. Von dieser Betrachtungsweise muss man sich lösen, denn hier geht es um die Entwicklung eines tieferen Verständnisses, nämlich der energetischen Wirkung unserer Lebensmittel auf den Organismus.

Und so funktioniert es...

In der TCM kann jedes Nahrungsmittel mit Ausnahme von denaturierten Lebensmitteln medizinisch eingesetzt werden. Unter denaturierten Lebensmitteln versteht man Lebensmittel, die durch Konservierung und industrielle Verarbeitung an Qualität verloren  haben. Denaturierte Lebensmittel werden daher als energetisch minderwertig eingestuft.

Ein Bespiel für ein denaturiertes Lebensmittel ist Trockenfutter, dem die Feuchtigkeit durch Erhitzen entzogen wurde und die trockenen Bestandteile anschließend mit Fett besprüht werden. Tiere, die so gefüttert werden, leiden oft an Hitze und Trockenheit und der Körper braucht für die Verdauung solcher Futtermittel mehr Energie, als er daraus überhaupt gewinnen kann. Mögliche Folgen sind Haut- und Fellprobleme, Gelenksrprobleme, Entzündungen, Müdigkeit etc. Oftmals erhältliche Spezialtrockenfutter, die mit den Ausdrücken "sensitiv" etc. betitelt werden, stellen schon hier eine Widerspruch in sich dar.

Das meiste Qi enthalten frische, natürliche und unbelastete Nahrungsmittel. Nahrungsmittel die dem Element Erde zugeteilt sind, sollten nach der chinesischen Diätetik den Hauptanteil der täglichen Ernährung ausmachen. Aufgrund seiner herausragenden Bedeutung soll exemplarisch für alle Elemente die Wandlungsphase Erde erläutert werden. Dabei wird der Schwerpunkt auf den gesunden Vierbeiner und eine Präventivdiätektik gelegt.

Jedem der 5 Elemente wird ein Geschmack zugeordnet. Der Erde wird der süße Geschmach zugeteilt. Damit begründet sich auch die Wirkung des süßen Geschmacks auf die Zang-Fu Organe Milz und Magen, die ebenso dem Element Erde zugehören.

Bereits in dem Klassiker der traditionellen chinesischen Medizin "Nèi Jīng (内經)" heißt es: Süß reist in die Milz

Dem süßen Geschmack wird unter anderem eine befeuchtende Wirkung zugeschrieben. Darüber hinaus wirkt er entspannend (löst innere Anspannung), ausgleichend (stabilisiert die innere Mitte), kräftigend (Schwächezustände) und hat eine emporhebende Wirkung. Wer kennt nicht die Wirkung von Schokolade auf uns ;-) Ihm werden aber auch Lebensmittel wie reifes Obst, orangefarbenes Gemüse, Getreide oder Rindfleisch und Kalb zugeteilt. Getreidesorten wie Hirse und Gerste stellen einen Lieferanten für den süßen Geschmack dar.

Doch Vorsicht! Auch ein Übermaß an Lebensmitteln mit süßem Geschmack kann sich schädigend auf den Organismus auswirken und eine geschwächte Milz wäre die Folge. Anzeichen einer Störung wären z.B. chronische Müdigkeit, Verdauungsstörungen, weicher Stuhlgang und aufgeblähtes Abdomen. Zudem kann ein Übermass den pathogenen Faktor "Feuchtigkeit" und "Nässe" erzeugen.

Der Erde werden der Spätsommer (Zeit der Ernte - fünfte Jahreszeit) und die Übergänge aller Jahreszeiten (Dojo-Tage) zugeordnet. Der Spätsommer bietet reifes Obst, wie Äpfel und Birnen, aber auch gemüse, wie Kürbis, Maiskolben, Kartoffeln an und die Scheunen sind voll mit duftendem Heu. Sich prinzipiell am Saisonkalender zu orientieren und aus dem saisonalen Angebot auszuwählen, ist aus Sicht der TCM vorteilhaft, um Witterungseinflüsse zu kompensieren und Krankheiten vorzubeugen. Sinnvoll wäre also,der Mahlzeit immer eine kleine Menge eines Nahrungsmittels der aktuellen Saison beizufügen. Hier spiegelt sich die Verbundenheit mit dem Zyklus der Jahreszeiten wider.

Neben dem regionalen jahreszeitlichen Angebot werden in der chinesichen Ernährungslehre auch der Geschmack und die thermischen Eigenschaften von Nahrungsmitteln berücksichtigt. Deshalb wirken thermisch kalte und erfrischende Nahrungsmittel wie Banane (Erde), Joghurt (Holz), Weizen (Holz), Löwenzahn (Feuer), Kaninchen (Metall) und Alegen (Wasser) erfrischend auf den Körper und werden deshalb bevorzugt bei warmen Temperaturen genossen.

Aber auch hier gilt ein richtiges Maß einzuhalten. Ein übermäßiger Verzehr thermisch kalter und erfrischender Nahrungsmittel kann den Körper im Übermaß abkühlen und die Verdauung schwächen, was wiederum zu einem Milz-Qi Mangel führen kann. Dies kann aber auch durch ständiges Verabreichen von zu kaltem Trinkwasser geschehen. Deshalb sollte Wasser nicht eiskalt angeboten werden. Das Gleiche gilt für Futter, das direkt aus dem Kühlschrank dem Tier serviert wird (TA raten oftmals dazu Trockenfutter einzufrieren um Futtermilben abzutöten).

Dagegen wärmen thermisch warme Nahrungsmittel wie Fenchel (Erde), Rapsöl (Erde), Zimt (Erde), Süßkartoffeln (Erde), Hafer (Metall), Thunfisch (Wasser) den Körper und die Organe. Sie sind besonders geeignet zur Behandlung von Kältesymptomen und Leerezuständen. Thermisch heiße Nahrungsmittel sind im Erdelement selbst nicht vertreten. Thermisch heiß wären etwa Hirsch (Metall), Lamm (Feuer), Schaf (Feuer), Ziege (Feuer) aber auch Knoblauch (Metall) und Pfeffer (Metall). Diese werden bevorzugt in der kalten Jahreszeit eingesetzt. Mit zunehmender Kälte möchte man den Körper von dem pathogenen Faktor "Kälte" schützen und die Abwehrenergie (Wei Qi) mobilsieren.

Einige Pferdehalter füttern ihrem Pferd besonders gerne getrockneten Ingwer, der einen wärmenden Effekt auf den Körper hat. Ein übermäßiger Verzehr von thermisch heißen Nahrungsmitteln kann jedoch Hitze erzeugen und trocknet die Körpersäfte aus. Deshalb sollten Tierbesitzer thermisch heiße Nahrungsmittel sparsam verwenden.

Wichtigste Energiequelle in der chinesischen Ernährungslehre, sind die thermisch neutralen Nahrungsmittel, wie z.B. Karotte (Erde), Kartoffel (Erde), Mais (Erde), Kalb & Rind (Erde), Reis (Metall), Dinkel (Holz). Diese Nahrungsmittel gelten als ausgewogen und harmonisch, bauen das Qi auf und stärken die Mitte, also den gesamten Verdauungstrakt. Sie können vom Tierbesitzer sowohl bei Kälte, als auch bei Hitze eingesetzt werden, da sie keine thermische Veränderung auslösen.

Was ist zu beachten?

Allerdings kann das Temperaturverhalten eines Nahrungsmittels durch die Zubereitungsart verändert werden. Damit hat nicht nur die Zutat, sondern auch die Art der Zubereitung einen Einfluss auf den energetischen Zustand einer Futtermahlzeit. Kocht man z.B. ein thermisch kaltes Lebensmittel,  verringert sich dadurch seine abkühlende Wirkung. In der chinesischen Ernährungslehre spielt das Kochen eine große Rolle. Es werden hier beispielsweise warme, gekochte Mahlzeiten empfohlen und von zuviel Rohkost abgeraten. Innerhalb der Tierernährung hat das Kochen nur einen geringen Stellenwert.

Allerdings gilt es auch beim Tier die individuelle Konstitution zu beachten. Leidet eine Hund z.B. unter einer schwachen Verdauung, wäre es ratsam, ihn nicht mit Rohkost und -flocken zu füttern, denn diese würden den Funktionskreis Milz/Magen weiter schwächen. Wichtig wäre hier, auf eine Milz-Qi-tonisierende Ernährung zu achten und das Gemüse für den Hund zu dünsten oder zu kochen. Ebenso sollten Flocken kurz aufgekocht oder zumindest über Nacht eingeweicht werden. Zudem wäre es ratsam das Futter zu erwärmen oder zumindest darauf zu achten, dass kein Futter direkt aus dem Kühlschrank gegeben wird.

Für die Ausgewogenheit der 5 Geschmacksrichtungen in einer Mahlzeit sorgt das Kochen mit allen 5 Wandlungsphasen. Der Grundgedanke ist dabei, alle 5 Elemente in einer Futterration zu vereinen. Dadurch ist die Mahlzeit harmonisch und bekömmlich, denn sie vereint auch alle 5 Geschmacksrichtungen.

Bei der Fütterung gilt, wie generell inder TCM, Maß zu halten. Auch wenn ein Futtermittel für ein Tier richtig ist, kann zuviel davon ebenfalls eine Disharmonie auslösen.

Die chinesische Ernährungslehre richtet ihren Blick jedoch nicht nur auf die Nahrungsmittel und deren Zubereitung, sondern auch die Art der Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle.

Daraus leiten sich Empfehlungen für das tierische Fressverhalten ab:

Das Tier sollte genug Zeit und Platz zum ruhigen Fressen haben. Dies schafft die Voraussetzung für eine freien Fluss des Magen- und Milz-Qi und bildet die Grundlage für die Weiterverarbeitung des Nahrungs-Qi, also der aus der Nahrung gewonnenen Energie. Das Tier sollte nicht gefüttert werden solange es emotional aufgewühlt oder abgelenkt ist. Dies belastet die Mitte, da diese besonders empfindlich auf emotionale Anspannung reagiert (in der Schulmedizin heißt sowas dann "Reizdarmsyndrom" oder Sodbrennen)

Grübeln und Sorge sind ebenfalls negative Emotionen, die der Erde zugeordnet werden. Diese können bereits kurzfristig das Qi der Verdauungsorgane blockieren. keine üppigen Mahlzeiten für unsere vierbeinigen Begleiter. Denn das Qi und das Blut (Xue) würden in dem Fall in den mittleren Erwärmer abgezogen, um die Fülle zu bewältigen. Eine ständige Überlastung dieser Art, würde Milz und Magen des Tieres schwächen. Es sollte zu einer Mahlzeit nur wenig Flüssigkeit bereit stehen. Die TCM rät dazu ab, das ein Übermaß an Wasser das Verdauungsfeuer des Magen ertränken kann.

Quelle:Dipl. Päd.(Univ.) Dagmar Bindhammer-Meißner für tierisch geheilt

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