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Das gute Korn - Was jeder Pferdehalter darüber wissen sollte



Getreide hat längst einen festen Platz in der Pferdefütterung. Doch was steckt eigentlich in Hafer, Gerste & Co.? Wo die Stärken und Schwächen der wichtigsten Körner in der Pferdefütterung liegen, wird hier erklärt.

Hafer

Stärken Schwächen Verarbeitung des Haferkorns
Durch den hohen Spelzenanteil wird Hafer in der Regel gut gekaut, was die Speichelbildung und die Verdauung fördert. Der größte Vorteil besteht in seiner hohen Magen-Dünndarm-Stärkeverdaulichkeit. Der liegt bei ganzem oder gequetschtem Korn zwischen 80 und 95%! Das macht den Hafer für das Pferd sehr bekömmlich. Haferstärke besteht auch einfachen Stärkemolekülketten, die einem hohen Abbau der Verdauungsenzyme unterliegen. Durch diese Dünndarmverdaulichkeit wird der Dickdarm entlastet, was z.B. das Risiko von Hufrehe erheblich mindert. Diätetisch wirken die relativ hohen Anteile an ungesättigten Fettsäuren und Schleimstoffen. Aufgrund der typischen, tiefen Spelzfalten und der damit häufig schwierigen Trocknung ist der Hafer besonders anfällig gegenüber Kontaminationen mit Bakterien, Pilzen, Hefen und Milben. Die hygienische Beschaffenheit ist abhängig von der Korngröße bzw. vom Hekto-Liter-Gewicht (HLG). Nach Untersuchungen der Landwirtschaftskammer NRW in Münster ist schwerer Hafer im Allgemeinen weniger belastet als leichter Hafer bzw. Schmachtkorn enthaltender Hafer. Wichtig ist eine sorgfältige Trocknung und Reinigung sowie eine einwandfreie Lagerung in sauberen Silos oder Futterbehältern (in Futterbehältern ist darauf zu achten, dass der Hafer genug Frischluft erhält, um eine Schimmelbildung vorzubeugen) Hafer kann grundsätzlich unzerkleinert verfüttert werden, wenn Gebiss und Zähne eines Pferdes keine Mängel aufweisen. Eine Ausnahme bilden Fohlen und junge Pferde, deren Gebiss noch nicht voll entwickelt ist. In diesen Fällen sollte der Hafer gequetscht oder gewalzt (nicht fein geschrotet) werden. Das gleiche gilt auch für alte Pferde mit häufigen Zahnschäden (befragen Sie dazu Iren Pferdedentalpraktiker oder Tierarzt). Beim Zerkleinern des Hafers wird die Kornstruktur (Öffnen der Frucht- und Samenschale) zerstört und der Mehlkörper besser zugänglich gemacht, was die Verdaulichkeit der organischen Substanz verbessert. Ein zu starkes Zerkleinern verbietet sich wegen der damit verbundenen Staubentwicklung und möglichen Pastenbildung im Magen des Pferdes.
Klischees rund um den Hafer Gefahrenzone beim Hafer Besondere Sorten
Sonderwirkungen des Hafers ("es sticht der Hafer") sind bekannt, aber bisher noch nicht geklärt. Besondere Inhalts- bzw. Wirkstoffe, die Temperament und Leistungsfähigkeit beeinflussen, wurden bisher noch nicht nachgewiesen. Möglicherweise führt einseitig Haferfütterung auch zu Ungleichgewichten im Stoffwechsel der Pferde, die dann besondere Verhaltensweisen auslösen. Auch genetische Zusammenhänge sind nicht auszuschließen.

Hafer ist besonders anfällig gegenüber mikrobiellen Belastungen und Milben, wie zahlreiche Untersuchungen in der Praxis immer wieder belegen. Je nach Art und Grad der Belastung kann hygienisch bedenklicher Hafer zu gesundheitlichen Schäden führen. Folgen können sein:

  • Futterverweigerung
  • Verdauungsstörungen
  • Atembeschwerden
  • Allergien
  • Leber- und Nierenschäden
  • Tympanien im Verdauungskanal
  • Koliken
  • Durchfall / Kotwasser

Vor der Verfütterung sollte Hafer zumindest einer organoleptischen Qualitätsprüfung (Sinnenprüfung) unterzogen werden. Wird Hafer zerkleinert, darf er nicht zu lange (möglichst nur wenige Tage) vorgelagert werden, weil die im Hafer enthaltenen ungesättigten Fettsäuren zur Oxidation neigen und den Hafer mitunter ranzig werden lassen.

Neben den hiesigen Sorten werden in der Pferdefütterung häufig Sorten aus Finnland und Schweden eingestzt. Dieser Hafer zeichnet sich durch vollrunde, große Körner aus und ist in aller Regel sehr energiereich. Hafer mit kleinen, schmalen und flachen Körnern ist weniger gehaltvoll. Hauptsorten sind Gelbhafer, Weisshafer und Schwarzhafer. Vom Futterwert gesehen unterscheiden sich diese Sorten nur unwesentlich. Die Qualitätsunterschiede sind meist innerhalb der Sorten wesentlich größer, als die zwischen den einzelnen Sorten.


Körnermais

Stärken Schwächen Verarbeitung des Maiskorns
Körnermais enthält deutlich mehr Energie, aber auch deutlich weniger Eiweiß als andere Getreidesorten. Der sehr niedrige Rohfasergehalt ist mit dem Weizen vergleichbar und verlangt entsprechende Rauhfutter-Ergänzungen. Körnermais weist vergleichsweise geringe Gehalte an Mineralstoffen auf, was ebenfalls in der Fütterung auszugleichen ist. Mais ist ausserdem arm an essentiellen Animosäuren wie Lysin und Tryptophan. Der hohe Stärkeanteil (über 60%) macht ihn zwar energiereich, stellt aber verdauungsphysiologisch ein Risiko dar, denn das Maiskorn besitzt nur eine geringe Dünndarm-Stärke-Verdaulichkeit (nur 29%), was zu Belastungen und Stoffwechselstörungen im Dickdarm-Bereich, bis hin zur Hufrehe, führen kann. Der Körnermais sollte vor den Verfüttern unbedingt zerkleinert werden. Durch Schroten verdoppelt sich in etwa die Stärkeverdaulichkeit im Magen-Dünndarm-Bereich. Durch Wärmebehandlung oder Poppen lässt sie sich sogar verdreifachen, sodass die Stärkeverdaulichkeit von Hafer erreicht wird. Der in Mischfuttermittel (Müsli, etc.) enthaltene Mais ist in der Regel immer technisch behandelt (aufgeschlossen), was ihn hoch bekömmlich und wertvoll macht.
Klischees um das Maiskorn Gefahrenzone Mais Besondere Sorten
keine bekannt Maispflanzen, besonders die Körner tragenden Kolben, können je nach Witterungs- und Erntebedingungen nciht selten mit Fusaruimtoxinen (Pilztoxine wie Zearalenon, Desoxynivalenon, Fumonisin) belastet sein, die auch für Pferde ein gesundheitliches Risiko darstellen können. Bei den heutigen Maissorten handelt es sich um Hybridmais (aus Hybridzüchtung), der nach verschiedenen Reifegruppen eingeteilt wird. Hinsichtlich der Kornform dominieren bei uns die Zahnmais-Typen, häufiger aber auch die Zahnmais-Hartmais-Mischtypen.

 

Weizen

Stärken Schwächen Verarbeitung
Weisen ist zwar nicht so energiereich wie Mais, aber deutlich energiereicher als Hafer und Gerste Weizen enthält hohe Anteile an Kleber-Eiweiß (Gluten), weshalb er sich als Pferdefutter nur bedingt eignet. Kleber-Eiweiß kann bei einseitiger Fütterung zu Verkleisterungen im Magen führen. Dies führt zu anschließenden Problemen, wie z.B. Magenentzündungen oder Hufrehe.

Das Weizenkorn sollte vor denm Verfüttern zerkleinert bzw. technisch aufgeschlossen werden, um die Verdaulichkeit zu verbessern.

Unter dieser Voraussetzung können etwa 10 bis 20% im Mischfutter/Krippenfutter eingesetzt werden.

Klischees Gefahrenzone Weizen Besondere Sorten
nichts bekannt

Weizen ist häufiger mit Pilzen bzw. deren Toxinen belastet. Dies ist besonders bei ungünstigen Witterungsbedingungen im Frühjahr und witterungsbedingten Ernteverzögerungen im Sommer der Fall.

Weizenkleie als Nebenprodukt kann in solchen Fällen besonders hoch belastet sein, was sie als Futtermittel problematisch macht.

In unseren Regionen wird zu über 90% Winterweizen angebaut. Sommerweizen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Bei den Sorten handelt es sich überwiegend um Weichweizensorten (Triticum aestivum). Hartweizen, Emmer und Einkorn spielen keine Rolle als Viehfutter. Bestenfalls kommt in manchen Gegenden noch Dinkel als Pferdefutter zum Einsatz.

 

Gerste

Stärken Schwächen Verarbeitung
Gerste gilt als das typische Körnerfutter des Vorderen Orients und wurde auch schon bei den alten Griechen als Kraftfutter verwendet. Gerste enthält mehr Energie und deutlich mehr Stärke als Hafer. In der Mischfutterindustrie wird Hafer oft durch Gerste ersetzt. Als Pferdefutter geeigneter wäre eigentlich Braugerste, die weniger Protein aufweist als Wintergerste. Dennoch spielt sie kaum eine Rolle in der Fütterung. Der große Nachteil von Gerste besteht in  der geringen präzäkalen Verdaulichkeit der Stärke. Nicht im Dünndarm abgebaute Stärke führt zu Belastungen im Dickdarm mit der Folge von Verdauungsproblemen und dem Risiko von Hufrehe. Um diese Gefahren zu vermeiden, muss Gerste vor dem Verfüttern zwecks Verbesserung der Dünndarm-Verdaulichkeit geschrotet oder noch besser thermisch aufgeschlossen werden. Das Schroten bzw. thermische Behandeln des Gerstenkorns geschieht ausschließlich deshalb, um die Verdaulichkeit der Stärke im Magen-Dünndarm-Bereich zu erhöhen und damit den Dickdarm zu entlasten und den damit verbundenen Stoffwechselproblemen vorzubeugen.
Klischees Gefahrenzone Gerste Besondere Sorten
Gerste gilt als Kraftfutter des Orients. Aber die mit der Gerstenfütterung einhergehenden möglichen ernährungsphysiologischen Probleme waren auch füher den Pferdehaltern schon bekannt. Nicht im Dünndarn abgebaute Stärke verursacht Verdauungsstörungen im hinteren Teil des Verdauungstraktes. Obwohl auch Gerste mikrobiell (Bakterien, Pilze, Hefen) belastet sein kann, ist die Häufigkeit von Kontaminationen nicht so hoch als bei anderem Getreide. Bei den Sorten unterscheidet man zweizeilige Gerste und mehrzeilige Gerste, Sommer- und Wintergerste. Die stärkereichen, eiweißarmen Braugersten sind zweizeilige Sommergersten. Als Futtergerste dient jedoch Wintergerste.

 

Dann gibt es da noch die Exoten unter den Körner im Pferdefutter...

Triticale

Das Getreide Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, sowie der Roggen selbst kommen nur in sehr begrenztem Umfang in der Pferdefütterung zum Einsatz.

Nährstoffmässig liegen Weizen, Triticale und Roggen nicht weit auseinander. Nach praktischen Erfahrungen zählt Triticale auch zu den Getreidearten, die häufiger mit mikrobiellem Besatz belastet sein können. Speziell Roggen, aber auch Triticale, kann mit Mutterkorn verunreinigt sein. Mutterkorn enthält verschiedene gesundheitsgefährdende Gifte. Bei Mutterkorn-Befall muss das Getreide deshalb vor der Verfütterung gründlich gereinigt werden.

Dinkel

Dinkel ist eine Vorläuferform des Weizens und enthält noch Spelzen, die ihn anfällig gegenüber Keimbelastungen machen. Dinkel weist auf Grund seines hohen Rohfasergehaltes von über 10% deutlich weniger Energie auf als Weizen. Bezüglich Protein und Stärke ist Dinkel ernährungsphysiologisch dem Weizen gleichzusetzen.

Hirse

Gelegentlich kommt Hirse in der Pferdefütterung zum Einsatz. Zu unterscheiden sind bespelzte und unbespelzte Sorten. Hirsen enthalten viel Stärke. Im Futterwert schwanken Hirsen zwischen Hafer und Körnermais. Hirse muss auch vor dem Verfüttern zerkleinert bzw. thermisch aufgeschlossen werden, um Unverträglichkeiten zu vermeiden.

Reis

Reis spielt in der Pferdefütterung nur eine untergeordnete Rolle. Er ist sehr stärkereich und enthält hochwertiges Eiweiß, das nach Literaturangaben besonders für den Muskelaufbau des Pferdes als wertvoll angesehen werden soll.

Kleien

Die als Nebenprodukt der Getreideverwertung anfallenden Kleien sind beliebte Komponenten in der Pferdefütterung. Die größte Bedeutung hat Weizenkleie. Hervorzuheben sind ihre hohen Gehalte an Eiweiß, Rohfaser und Phosphor. Weizenkleie wirkt leicht abführend und hat daher eine diätetische Wirkung. Der Einsatz erfolgt am besten in angefeuchteter Form und in kleinen Portionen, um Magenüberlastungen zu vermeiden. Über das Risiko von Keimbelastungen wurde unter dem Punkt "Weizen" berichtet.

Was steckt da genau drin? (Angaben bezogen auf 1 kg)

Trockenmasse (g) verdaul. Rohprotein (g) Energie (MJ) Stärke (g) Rohprotein (g) Rohfett (g) Rohfaser (g) Rohasche (g) Calcium (g) Phosphor (g) Natrium (g) Kalium (g) Chlor (g)
Hafer 880 85 12,2 390 108 46 99 29 1,1 3,2 0,2 4,1 0,9
Mais 880 64 13,6 611 93 40 23 15 0,4 2,8 0,1 3,7 0,6
Weizen 880 88 13,1 583 121 18 26 17 0,4 3,3 0,1 4,4 0,8
Gerste 880 87 12,6 527 110 24 50 24 0,6 3,4 0,2 4,6 1,3

Spurenelemente und Vitamine (Auswahl)

Eisen (FE)

(mg)

Mangan (Mn)

(mg)

Zink (Zn)

(mg)

Kupfer (Cu)

(mg)

Jod (J)

(mg)

Selen (Se)

(mg)

β-Carotin

(mg)

Vitamin E

(mg)

Biotin

(mcg)

Hafer 65 48 36 4,7 0,11 0,06 <1 9 210
Mais 32 9 31 3,8 0,38 0,28 <5 9 70
Weizen 45 35 65 7,0 0,36 0,10 <1 12 100
Gerste 44 18 32 6,1 0,28 0,06 <5 8 150

Fazit:

Davon ausgehend, dass Pferde per se keine Körnerfresser sind, sollte man, wenn man nicht auf Pferdefutter verzichten will bzw. kann, die Fütterung dem Bedarf seines Pferdes anpassen. Eine Haferfütterung mit Supplementierung eines sog. Mineral- bzw. Vitaminzusatzes in Form von Pulver oder Pellets (Cubes) etc. scheint am besten auf den Verdauungsapparat eine Pferdes zugeschnitten zu sein.

Natürlich und das versteht sich eigentlich von selbst, sollte die Qualität des Rauhfutters (Heu) ebenso so hochwertig und einwandfrei sein, wie die eines eventuellen Pferdefutters.

Google Übersetzung

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