Pferde, die Luzerneheu fressenIch habe an einer anderen Stelle auf Facebook gelesen, wie der Gehalt an Alkaloiden in der Luzerne angepriesen wird.
Daraufhin bin ich jetzt auch auf eine Untersuchung vom Lehrstuhl für Lebensmittelsicherheit – Tierärztliche Fakultät der LMU München gestoßen.

Es sind vor allem PA, also Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Nicht wirklich zuträglich für die Gesundheit. Nicht nur Jakobskreuzkraut, sondern aus Wasserkreuzkraut ist für die hohen Gehalte verantwortlich.
In 74%!!! der Luzerne-Proben aus 2015 wurden PA-Gehalte von 455 µg/kg bis 5401 µg/kg gemessen. In den luzernehaltigen Pferdefuttern sogar in 100% der Proben. 
Im Vergleich dazu wurde im Heu nur in 3 Proben PA-Gehalte von 15 bis 549 µg/kg.

Das bedeutet im Mittelwert eine Aufnahme von 156 mg/Tag/Tier. Dies entspricht 8,8% einer letalen Dosis (Die letale Dosis (LD) ist in der Toxikologie die Dosis eines bestimmten Stoffes oder einer bestimmten Strahlung, die für ein bestimmtes Lebewesen tödlich (letal) wirkt.)

Dies sind Werte aus dem Allgäu, welches üblicherweise als besonders gesund und qualitativ hochwertig angepriesen wird. Wie es in anderen Gegenden aussieht, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Allgemeinbefinden reduziert, Leberwerte im Blut erhöht – immer häufiger stellen Tierärzte dies bei PferdenAllgemeinbefinden reduziert, Leberwerte im Blut erhöht – immer häufiger stellen Tierärzte dies bei Pferdenfest. Die Ursache könnte eine veränderte Fütterung sein: Weg vom traditionellen Heu hin zu Luzerne- und Bioprodukten. Und die haben das Problem, dass sie oftmals Giftstoffe enthalten.

Dass zunehmend Giftpflanzen ins Pferdeheu gelangen, liegt unter anderem an EU-Fördermitteln, allen voran der Verordnung VO (EG) Nr. 73/2009 für den Schutz von Dauergrünland. Dieses darf, je nach Förderung nur ein bis drei Mal pro Jahr gemäht werden, frühestens ab dem 1. Juli und unter Entfernung des Mahdgutes. Was der Botaniker als „biologisch wertvolle Fläche“ bezeichnet, ist für den Ernährungsphysiologen häufig ein Alptraum.

Privatdozentin Dr. Ingrid Vervuert vom Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik der Universität Leipzig stellte auf dem Leipziger Tierärztekongress einige gängige und potentiell giftige Komponenten im Pferdefutter vor. Je später der Schnitt, desto höher ist das Risiko, dass sie im Heu landen. Besonders gefährlich sind Pyrrozilidinalkoloide (PA), die sich beispielsweise im Jakobskreuzkraut befinden. Deren Abbauprodukte sind lebertoxisch und cancerogen und können in hoher Dosierung schnell tödliche Leberfunktionsstörungen verursachen. Doch selbst wenn keine Pflanzenteile nachweisbar sind, ist Vorsicht geboten.

Pyrrozilidinalkoloide: hoher Anteil in luzerne-reichem Heu

LuzerneballenDas Leipziger Institut hat gängige Futtermittel auf ihren PA-Gehalt überprüft. Während im konventionell erzeugten Heu nur in drei Prozent der Proben PA nachgewiesen werden konnte, waren es bei der Luzerne schon 74 Prozent und in den luzerne-reichen Futtermitteln sogar 100 Prozent. Dabei überstiegen die Konzentrationen von PA in den reinen Luzerneproben die der anderen beiden Futtermittel um das 10- bis 30-fache.

Pferdebesitzer, deren Pferde erhöhte Werte an Leberenzymen im Blut aufweisen, sollten die Fütterung ihrer Tiere überprüfen und möglichst auf luzerne-haltiges Heu oder Müsli verzichten.

(Saat)Mohn in spätgeschnittenem Heu

Im spät geschnittenen Heu findet sich häufig auch (Saat)Mohn. Die darin enthaltenen Alkaloide können bei Pferden Unruhe, Zwangslaufen bis hin zu unkontrolliertem Rennen und Muskeltremor hervorrufen. Neben der Verabreichung eines Benzodiazepims bewährt sich ein sofortiger Futterwechsel, um die Symptome zu stoppen.

Später Schnitt – höherer Giftpflanzenanteil

Dr. Vervuert betont, dass sich qualitativ hochwertiges Heu und EU-Fördermittel nicht vertragen, weil der späte Schnittzeitpunkt das Wachstum und Aussamen von potentiell giftigen Pflanzen (Kreuzkraut, Goldhafer, Herbstzeitlose etc.) begünstigt.
Ähnliche Probleme haben übrigens auch Menschen im Bezug auf Kräutertees, denn diese enthalten ebenfalls häufig Pyrrozilidinalkaloide. Das BfR rät deshalb Teetrinkern, nicht ausschließlich Kräutertees zu trinken, sondern immer mit anderen Getränken abzuwechseln (siehe unten).

Probenuntersuchung: Mindestens vier Kilo nötig

Wer den Verdacht hat, dass Pferdefutter mit giftigen Komponenten kontaminiert sein könnte, sollte Futterproben untersuchen lassen. Dabei ist es wichtig, eine repräsentative Probe einzusenden. Diese Probe sollte vier bis sechs Kilogramm umfassen, eventuell als Sammelprobe aus verschiedenen Heuballen oder Futtersäcken entnommen sein. Die Proben müssen eventuell gekühlt und sollten so schnell wie möglich zum Labor transportiert werden. Möchte man einzelne Pflanzen untersucht haben, müssen diese als Ganzes verschickt werden, nicht nur Blätter oder Blüten. Es hat sich bewährt, vor der Einsendung mit dem jeweiligen Labor abzuklären, wie die Probe beschaffen sein sollte.

Für Toxinnachweise ist das Pharmakologischtoxikologische Servicezentrum (PTS) der Universität Göttingen zuständig.
Eine Datenbank, die beim Vergiftungsverdacht helfen kann, findet sich im Internet unter: http://vetpharma.uzh.ch.

Quellen:

BfR Bund http://www.bfr.bund.de/cm/343/pyrrolizidinalkaloide-in-futtermitteln.pdf 

wir-sind-tierarzt.de 

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